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1 psychoterrorismus - rockmusik fetzt nich' mehr
Sven ist ein Superheld. Er bringt uns den Sprechgesang zurück, den Robotertanz, den Schlager, den Pop, die Inszenierung. Von Quasi-Literaturtreffen zu Neue-Musik-Festivals bis in Garagen und Punkkeller. Über das Songwriting brauchen wir gar nicht reden. Aus dem Ärmel geschüttelt, meist Schräg-Geräusch-beatbasiert und mit einer Armada von Effektgeräten hinter der Gitarre. Das fetzt. [p]
: zu_unrecht[ at ]gmx.de
2 tchi - schöne grüße
Tchi machen Musik auf den zweiten Blick. Die wächst und wächst. Wie alles Bleibende in dieser Welt. Zuerst fragendes Zuhören, dann der Zünder, und sich Wundern, wie man das zuerst nicht erkennen konnte, wie hier ein ganz eigener Entwurf von deutschsprachiger Gitarrenmusik gemacht wird, mit dem höchstens Delbo mithalten kann. Mitreißend, manchmal kontraintuitiv, Texte, die einem - wenn auch nicht ganz klar ist, was genau - immer etwas zu sagen haben. Aus dem Kreativzentrum omnidor in Braunschweig in unseren Bauch und unsere Herzen. [p]
: soma[ at ]tchi-musik.de www.tchi-musik.de
3 ampl:tude - square durch kandinavien (jn kitchen rmx)
Diese Welt ist nicht genug. Die vier Menschen von ampl:tude schrauben an ihrer handmade Elektronik, ohne Text, mit vorbeiwehender Gitarre und Alltagsgeräuschen, an Tasten und Effekten, als bestlooking Freakshow. Avanciert, teilweise Lofi, live auch mal Holper-Elektronik, zum Ausflippen, zum Mitpfeifen und -nicken, als Science-Fiction-Hörspiel-Soundtrack oder in Ihrem Theater. Seht euch um nach "auf hören", ihrer zweiten CD auf sinnbus. Die erste Wahl für die Tanzfläche und fürs Im-Bett-Liegen an Abenden und Morgenden. [p]
: strom[ at ]elektro-on.de www.elektro-on.de www.sinnbus.de
4 mykoriza - i was told
Eine dieser Zufallsbekanntschaften, elektrisch, energisch, manchmal düster. Musikalisch eher im kälteren Norden von England. Schlagzeug, Bass, Gitarre und Elektronik. Melodisch, einstmal "Stereotype A" und "Lux". Un-straighter Rock mit Unterbrechungen seit 2002. Zuweilen untermalt ihr Video "Berlin 2 a.m." schwelgend die Einsamkeit. Keine Musik zum ausgelassenen Tanzen, dafür Breaks und die hohe Kunst des sphärischen Stereo. Der ersten EP wird eine weitere EP folgen. Experimentell vorwärtsgetrieben, weils nicht anders geht. [c]
: robert kühn 0162 5265253
5 kitty solaris - under the bridge
Hier könnten viele Bilder über große Künstlerinnen an die Leinwand geworfen werden: Die Diva. Der Racheengel. Die Verträumte, Überirdische. Die Verletzliche. Die Verstörende. Die Pop-Königin. All das ist Kitty Solaris und ist sie doch nicht. Ihre Aufnahmen, vor Indie-, Homerecording- und Elektronikpop-Hintergrund, bewegen sich mit PJ Harvey, Catpower, Tonia Reeh, einer kühlen Version von Kylie Minogue und Melancholie. Hier setzt sich ein eigenes, ganzes Bild zusammen. [p]
: kirsten[ at ]kitty-solaris.de www.kitty-solaris.de
6 flashbax - like a hurricane
In der Hölle sah ich sie zum ersten Mal. In das Heurigenlokal am Neusiedler See strömte im Abendlicht eine kleine, feine Indieszene, wo die Band vor einer Kulisse von ausgestopften Vögeln spielte und nicht nur mich gewann. Ungestüm-eigenwillige Indietracks sind inzwischen einem Zitatpop-Arrangement gewichen, und nach dem letztjährigen Debut, das auf dem Label der Österreichischen Prog-Indie-Instanz Garish erschien, soll schon im Winter ein neuer Streich folgen. Ohne Scheu vor der großen Geste, vor den großen Gefühlen und Zweifeln, in diesem Fall mit einer schönen Motorpsycho-Gesangswendung und gebremsten Phantom&Ghost-Englisch-Linien, wie eine warme Decke, die man auf Reisen über sich legt.[p]
: www.flashbax.at mail[ at ]flashbax.at
7 popkompatibel - die schönsten bahnstrecken europas
So schnell, wie sie in unserem Kosmos auftauchten, waren sie auch schon wieder verschwunden. Popkompatibel spielten angenehm unprätentiösen Indiepop, suchten nach den großen Melodien und verströmten Sympathie. Der legendäre Super8-Film "Die Einsegnung" stand bei den Reisebeobachtungen dieses Samplerbeitrags Pate, der diese Dialektik vom Unterwegssein verhandelt, das ohne Ankommen oder Zurückbleiben nicht existiert. Die Hälfte der Band trägt die Botschaft weiter bei Beatplanet und Sumo. [p]
: thommi[ at ]popkompatibel.de
8 some jackpot - es ist so, wie ich sagte
Freunde nennen sie auch The Arne Zanks. Volle Energie. Mehr Emo-Sprechen als Gesang. Dem punkigen Ungestüm des Quartetts traten mehr und mehr die Melancholie und ausgefeilte Linienführung an die Seite, in kurzer Zeit K.O.O.K. und darüber hinaus. Die Texte entwerfen mehrschichtige Bilder, gehen über den reinen Gestus des Außenseitertums hinaus zu Situationen dieses beschädigten Lebens, in einer eigenen Poesie. Ihr Output ist beachtlich. Sie gehen ihren Weg. [p]
: mail[ at ]quartett.org www.somejackpot.de.vu
9 polaroid liquide - nyc
Polaroid Liquide scheinen sich eher darüber zu definieren, wie sie nicht sein, als das, was sie wirklich sein oder machen wollen. Kein simples Rockbrett, zum Beispiel, oder leichte Popsöngchen mit Groove. Kein Posen, ganz wichtig. Keine von den simplen Kunstgriffen, die zwar meist leicht durchschaubar sind, aber dennoch erstmal gut funktionieren. Wenig Angst haben sie hingegen vor komplizierteren Ideen und Stilmitteln, auch wenn sie sich damit das Leben schwer machen - und sich in ihren älteren Songs dabei noch das eine oder andere Mal verheddern. NYC ist einer von den neueren Stücken. Ich meinte hier zunächst etwas mittelalte Notwist zu hören, es ist aber eindeutig eher sehr viel Sharon Stoned. Abgesehen davon einiges sympathisches jugendliches Ungestüm. Eine vielversprechende Mischung, sollte man meinen und so ist es auch. Man darf gespannt sein, wohin bei den Damen und Herren die Reise geht.[b]
: webmaster[ at ]polaroid-liquide.de www.polaroid-liquide.de
10 loodpool - scene love
Hoondshoven, Salamifabrik. Dort trafen sich die drei Menschen aus Wien, Hannover und Berlin, wollten entkommen und wurden von verrückten Künstlern in einen Plattenbau nach Berlin eingeladen, wo sie schließlich drei Monate wohnen blieben und ihr Debutalbum aufnahmen. Der vielseitige Rock'n'Roll-Entwurf mit Jazz-, Indie- und Elektronik-Issues wird auf der in Kürze erscheinden EP "Moon Change" weitergeschrieben. Und sie haben den vermutlich einzigen Bandnamen der Welt, der genauso gut auch auf dem Kopf gelesen werden kann. [p]
: www.pinkinkmusic.com www.loodpool.net info[ at ]loodpool.net
11 anandamid - break my paradise (anandamid vs. use potatoes to built children)
Springt die CD? Neenee, das täuscht. Anandamid ist eigentlich eine THC-ähnliche Körpersubstanz, die Lust- und Glücksgefühle im Gehirn auslöst (und - nebenher erwähnt - in geringen Mengen auch in Schokolade enthalten ist). Was sagt uns das zur Musik? Irgendwo zwischen treibendem Electroclash, Minimal und Wave, zurückhaltender Gesang, mal melancholisch, mal mitreißend. Ursprünglich aus Templin, inzwischen in Berlin gelandet und - unterwegs.[m]
: www.anandamid.com x[ at ]anandamid.com
12 kid ikarus - ringing voice
Conrad ist ein Phänomen. Ein cooler Typ, der Ahnung hat und trotzdem immer sympathisch schluffig wirkt. Spielt in drei Bands und ist nebenbei noch Kid Ikarus. Dieses sein Soloprojekt, bei dem er, als wäre es nichts, Elektrogebastel, Gitarrenmusik mit Emogesang und Hörspielelemente verbindet. Ein Multitalent und dabei immer charmant, unterhaltend und augenzwinkernd. Er rockt noch mit Akustikgitarre, wo andere längst ins Lagerfeuergeschrammel verfallen wären. Und niemand kann sich so schön für Zuspätkommen entschuldigen. [j]
: www.froggirec.5.ms derfroggi[ at ]gmx.de
13 mir - alleine verreisen
Klavier und Gitarre, Tabak und Rotwein, Søren Kierckegaard und Jochen Distelmeyer. Wenn Phil singt, muss ich immer lachen, weil er es auf so unnachahmbare Art und Weise tut, weil er Grönemeyer wirklich gut persiflieren kann, weil er es schafft Liedermacher, Diskurspop und sozialistische Kampflieder zu verbinden, ohne dass es schmerzt. Und weil er eine witzige Stimme hat. [j]
: phil[ at ]elektro-on.de
14 kam as - rail gold
Vier Jungs zwischen laut und leise. Die möglichen Tiefen auslotend. Zwischen Brett und Feder, Unwetter und Sonne. Die die taktischen Möglichkeiten ernst nehmen und umsetzen, ohne zu übertreiben. Die den Ball halten und ihn sich zuspielen können, um dann aus der zweiten Reihe abzuziehen oder plötzlich mit messerscharfer Brillanz zuzustoßen. den ganzen Raum ausnutzend. Rock ohne langweilige Rockismen, irgendwo zwischen den Vorsilben Post und Noise. [j]
: seb[ at ]comeus.de, www.comeus.de, www.sinnbus.de.
15 beatplanet - was ist das? schnafte.
Der Name ist Programm. Und das Motto "Wer beatet mehr". Fünf Jungs und zwei Mädchen bilden die Band mit diesem unglaublichen DDR-Beatplatten-Text im Booklet ihrer Platte. Mit dem richtigen Gespür für die Klischees, die man mitnehmen darf. Mit mindestens doppeltem Augenzwinkern und den wohl beklopptesten Spitznamen der Bandmitglieder ever. Im positiven Sinne. Sie nehmen die sich beatende Gelegenheit und machen daraus den absurdesten wie auch charmantesten Beatpop mit deutsch gesungenen Texten, den ich jemals gehört habe. [j]
: freizeit[ at ]snafu.de freizeit management gottschalkstr. 16 13359 berlin
16 swantje - scheissheit
Verschrien als Braunschweigs beste Band kamen Swantje im Februar aus dem Herzen des Bandkonglomerats omnidor (außerdem: Tchi, die Grätenkinder, der Raketenhund) auf eine soma-Party. Dort zeigten sie dann, was sie drauf haben: flotte Popsongs auf deutsch, einprägsame Texte, Charaktergesang von Lassie-Singers-Sprechen bis zu melodischem Rumgekeife. "Punk für Popper - Pop für Punker" nennen sie ihre Musik, oder mit den Worten von Sängerin Swantje (sic!): Egal, Alter. Hauptsache laut! [m]
: swantje[ at ]omnidor.de www.parkhausautomatenhalle.de
17 eva? - und sie sagte
Wo sich Punk und Funk mit Herzblut treffen, Saxophon, Rocko Schamoni, TSS und SST, da stehen eva?. Nicht umsonst gelten sie als die Erfinder des Funk'n'Roll. [p]
: p.u.m.rec oderstr.34 10247 berlin 0177-427 58 15
18 the mighty grin department - laterna
Ich wage gar nicht erst den Versuch, dieses irrwitzige Konglomerat an Musik in irgendeine Richtung einzuordnen, das wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt. Acht bis zwölf Leute auf der Bühne, die das Wort Party ausbuchstabieren. Die Bläser solieren über swingendem bis treibendem Rhythmus, dazu Percussion und MCs. Mitreißend und schweißtreibend, gern auch die Stundengrenze locker sprengend, egal ob drinnen oder draußen. Ein Feuerwerk an Spielfreude und Engagement, irgendwo zwischen Lounge-Jazz, Soul-Hop und funkiger Big Band. [j]
: steffen[ at ]mightygrindepartment.de, www.mightygrindepartment.de
19 yo tambien - stupid's trick
Es gab da diesen Moment letzten Sommer in diesem winzigen Café irgendwo in Neukölln. Die Leute hielten einfach nicht ihre Klappe, was bei Akustik-Konzerten immer enorm nervt. Und Paul malträtierte seine Gitarre, als gelte es einen Wettbewerb zu gewinnen. Enorm hartes Saitenspiel, der Junge, und ein feines Songwriting dazu. Die Stimme mitunter rau und in manchen Momenten kurz vorm sich Überschlagen. Wenn er spielt, ist er weg, tief drin in seiner Musik. Mit geschlossenen Augen auf seinem Hocker. In Gedanken in Skandinavien. Vermutlich. [ j]
: info[ at ]yotambien.net, www.yotambien.net
20 me vs. me - winward side
Elektronisches Gebastel und akustische Gitarre, mitunter fast flüchtig wie ein Windhauch die Stimme darüber. Unhektisch und ein wenig schleichend wie eine Katze an einem halbsonnigen Nachmittag. Indietronika, die sich einschmiegen wie Wasser in Sand. Die Bewegung einer Blumenwiese im Wind. An einem frühen Freitagabend Ende Mai. [j]
: www.mevme.com mevs[ at ]mevme.com
21 martin tetzlaff - heart's been cut
Bandlieder ohne Band, wenn man so will. Martin Tetzlaff und seine elektrische Gitarre. Mit diesem spannenden Flimmern zwischen Flucht, Nervosität, Humor, täglichem Kampf, Herz-Ausschütten und aus ihm sprechen. Alles ist durchdacht und sitzt am richtigen Ort. Wie der Hintergrund zwischen sorgfältigen Einspielungen von MD, Marv am Schlagzeug oder Stille changiert, neigen sich die Lieder in Richtung Radiohead zu Garagenrock. Zuhören. [ p]
: www.mp3.de/martintetzlaff heydayyukiko[ at ]yahoo.it
22 the salkin red revival band - do you remember?
What else was I supposed to do? Es setzt sich zur Ruhe in der Musik. Jan Niklas Jansen aus Köln entwirft umsichtige, düstern schillernde Kleinode von und für unterwegs, in die Nächte hinein, in die Ausnahmesituationen, in den Alltag hinein, mit dem Wissen, dass etwas geändert werden kann, geändert werden muss. Er wildert in der Independentmusik der letzten vierzig Jahre, ob als Singer/Songwriter, Schwelger, Lofi-Elektroniker, Steve Albini-Obskuriker. Es geht um alles, und es klingt womöglich traurig, es klingt womöglich tröstlich, aber es spricht zu dir. Berührt werden, nicht unterhalten werden. Lange nicht mehr etwas so Wertvolles gehört. [ p]
: revival[ at ]localstandardtime.com
23 peer - julia roberts
"Lieder, um sie auf das Ende eines Mixtapes zu machen" nennt Peer seine kleine CD, von der dieser Track stammt. Wenn CD-Brenner und MP3s etwas Schätzenswertes zerstört haben, dann das gute alte analoge Mixtape, wie es von Nick Hornby eingehend gewürdigt wurde. Technische Unzulänglichkeiten als Herausforderung. Der Zwang, das Tape voll zu bekommen (hinterher kein Spulen!), ohne Abzuschneiden und das Diktat der festgelegten Reihenfolge zwangen zu kleinen künstlerischen Höchstleistungen. Und zwar von denen, die eigentlich eher nur Konsumenten waren. Aber was will uns dieser Albumtitel sagen? Dass wir uns auf alte Tugenden zurück besinnen, sein Album dekonstruieren, mit anderer Musik vermixtapen müssen, um seinen Songs und Songschnipseln viele davon sind (ahäm) kleine Perlen, andere dann doch eher nur kleine Rohdiamanten - erst zu der angemessenen Wirkung zu verhelfen? Will er uns damit Arbeit aufhalsen, die er sich nicht gemacht hat? Aus Schnipseln vielschichtige Songs zu kreieren? Letzteres geht nicht, was schade ist. Aber muß das immer sein? Hm. Wie dem auch sei dies ist vielleicht ein erster Versuch. Und erscheint mir recht gelungen. Fingers off the fucking random-play-Knopf! [b]
: www.libudarecords.de.vu peer[ at ]mogwa.de |