FAQ: GentechnologieNicht erst seit dem Schaf Dolly und genetisch veränderter Soja in McDonalds-Hamburgern ist das Thema Gentechnologie auf dem Tisch. Verbraucherschutzgruppen wie u.a. Greenpeace bekämpfen den Einsatz von Gentechnologie heftig, die Industrie hingegen verspricht durch genetische Manipulation Wunder wahr werden zu lassen. Doch abseits von Schlagzeilen und den Gefechten zwischen Pharmalobbyisten und Verbraucherschutzgruppen hat sich Gentechnologie in anderen Bereichen schon fest integriert, die moderne Medizin ist ohne sie schon nicht mehr denkbar. |
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Was ist Gentechnologie? Die Manipulation von Erbgut (DNA oder RNA) bezeichnet man als Gentechnologie. Ein Gen ist ein Abschnitt auf dem DNA-Strang [DesoxyriboNukleinsäure(-Acid)], der eine spezielle Eigenschaft kodiert. Das kann ganz simpel die Haarfarbe sein, aber auch wie anfällig das Lebewesen für eine bestimmte Krankheit ist. In der Gentechnologie wird nun ein fremder Abschnitt mittels Transporter ("Vektor") in das Erbgut eines Organismus übertragen. Dies ist möglich, weil es prinzipiell keine Unterschiede zwischen menschlichem, tierischem, bakteriellem oder pflanzlichem Erbgut gibt. Welche Anwendungsgebiete der Gentechnologie gibt es? Derzeit gibt es drei Anwendungsgebiete für Gentechnologie, von denen zwei im medizinischen Bereich liegen:
Was ist Gentherapie? Die Gentherapie nutzt Verfahren der Gentechnologie um krankhafte Zellen zu kurieren oder zu eliminieren. Es gibt zwei Formen von Gentherapie:
Was kann man jetzt schon alles mit Gentechnologie machen? Das Jahr 1972 wird als der Beginn der Gentechnologie gesehen. In diesem Jahr wurden zum ersten Mal mit Hilfe von "Genscheren" (Restriktionsenzymen) und Vektoren einzelne Gene aus dem Erbgut isoliert. 1977 wurde das menschliche Insulin-Gen auf ein Bakterium übertragen - so wurde die industrielle Produktion von Insulin möglich. Nur sechs Jahre später gelang es, ein Gen eines Mikroorganismus auf eine höhere Pflanze zu übertragen und schon seit 1986 werden erfolgreich gentechnisch modifizierte Pflanzen in der Landwirtschaft genutzt - den Anfang machte eine gegen den Tabak-Mosaik-Virus resistente Tabakpflanze. 1997 fand der vorläufige Höhepunkt der gentechnologischen Entwicklung mit der Klonierung (Schaffung von genetisch identischen Lebewesen) des Schafes "Dolly" statt.
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Was ist denn bedrohlich an Gentechnologie? Argumente pro und contra Gentechnologie sind leider aufgrund des komplexen Themas von Laien nur schwer abzuwägen, sie möchten und sollten sich aber an der Diskussion beteiligen. Deshalb ist es für Medien, Politiker und Lobbyisten leicht, in der Bevölkerung ganz existentielle Ängste vor Gentechnologie zu schüren. Interessant ist hierbei, daß in Deutschland viele Menschen Gentechnologie gutheissen, wenn ihnen die Hoffnung gemacht wird, man könnte in Zukunft ganze Organe, die kaputt sind, einfach nachwachsen lassen. Erzählt man ihnen jedoch, daß Ernten ertragreicher gemacht werden könnten, dann sind sie dagegen. In Ländern, in denen Hunger herrscht sehen die Menschen viel mehr Nutzen in ertragreichen Ernten als, in nachwachsenden Organen.
Gibt es rechtliche Beschränkungen der Gentechnologie? Vor allem im Bereich der "Roten" Gentechnologie (G. an menschlichen Zellen) gibt es in Deutschland klare Richtlinien. Seit dem 01.01.91 sind im Gesetz zum Schutz von Embryonen (Embryonenschutzgesetz, BGBl. I S. 2746) verschiedene Methodenspielräume der Genforschung klar beschränkt: Verboten sind insbesondere nahezu alle Formen der Leihmutterschaft (gespaltene Mutterschaft). Zudem verbietet das Embryonenschutzgesetz die gezielte Geschlechtswahl und Erzeugung oder Verwendung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken. Gentransfer in menschliche Keimbahnzellen (siehe Keimbahntherapie oben) und künstliche Produktion genetisch identischer menschlicher Lebewesen (Klonen) wird unter Strafe gestellt. Auch für die künstliche Befruchtung gelten in Deutschland strengere Richtlinien als in vielen anderen Ländern - so ist zum Beispiel die Gewinnung, Befruchtung und Einpflanzung von mehr als drei Eizellen oder Embryonen innerhalb eines Zyklus untersagt. In den USA ist dies nicht der Fall. Aufgrund der niedrigen Erfolgsquote bei künstlichen Befruchtungen werden hier der Frau üblicherweise sechs bis zehn befruchtete Eizellen auf einmal implantiert, mit der Konsequenz, daß sich in seltenen Fällen alle Embryonen einnisten und entwickeln. Zum Schutze der Mutter und der übrigen Feten müssen einige von ihnen wieder abgetrieben werden. In den letzten Jahren gingen mehrmals spektakuläre Fälle durch die Medien, als Frauen nicht bereit waren, mehrere Feten abzutreiben und dann unter großem Risiko alle Kinder austrugen.
[nora berger, berlin und pr] |
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Nachtrag Vor kurzem überreichten zwei deutsche Pflanzenforscher, Ingo Potrykus von der ETH Zürich und Peter Beyer von der Uni Freiburg, ihren gentechnisch hergestellten "Goldenen Reis" feierlich an das Internationale Reisforschungsinstitut der Philippinen, stellvertretend für alle Entwicklungsländer der Erde. Nach sieben Jahren Forschungsarbeit war es ihnen gelungen, Reiskörner Beta-Karotin produzieren zu lassen, den Grundstoff für Vitamin A. An Vitamin A-Mangel leiden weltweit etwa 124 Millionen Kinder, eine halbe Million erblinden, und eine Millionen sterben an den Folgen des geschwächten Immunsystems. Um sicherzugehen, dass der beta-karotinhaltige Vitaminreis den Armen der Welt zugute kommt, schlossen die beiden Wissenschaftler einen Vertrag mit AstraZeneca aus, einem Tochterunternehmen des weltweit größten grünen Gentechnik-Konzerns Syngenta. Dieses kümmert sich nun darum, dass Bauern, deren Jahreseinkommen unter 10 000 Dollar pro Jahr liegt, das Hightech-Saatgut umsonst bekommen. Von der Weiterentwicklung der Reiskörner erhofft sich die Firma Profit in den reichen Ländern - etwa durch gesunde Kartoffelchips.
[malte] |
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